Sonntag, 4. September 2016

Parco di Pratolino, ein nicht ganz verlorenes Wunder

Heute habe ich einen kleinen Ausflug gemacht. Mein Ziel war der Park von Pratolino.
Ja, in diesem Post  geht es noch um die Beschreibung einer grünen Sehenswürdigkeit und ich muss sagen, als ich an dem Entwurf dieses Posts arbeitete, ist es mir eingefallen, wie oft und wie eng hier in Florenz und in der Toskana Natur und Kunst miteinander verbunden sind.

Es ist auch der Fall von dem Medici Park von Pratolino, auch Demidoff Villa gennant.

Der Park befindet sich an der via Bolognese entlang, d.h. die Strasse die Florenz und Bologna verbindet. Die Bolognese startet schon in Florenz, am Rande der Innenstadt und führt ausserhalb der Stadt, zuerst in einer schönen, ländlichen Gegend mit vielen Villen und Olivenbäumen, dann erreicht die Strasse das Gebiet von Mugello, auch sehr grün auf den Abhängen des Apennins und dann die Berge und jenseits der Berge ist es nicht mehr Toskana sondern Emilia Romagna und dort ist Bologna.
Nimmt man die via Bolognese in Florenz, erreicht man den Parco di Pratolino nach ungefähr 15 Minuten Fahrt. Hat man kein Auto dabei, fährt man mit dem Bus nr. 25, der aber nicht so oft fährt, man sollte sich gut über die Fahrzeiten erkundigen.

Zuerst will ich sagen, dieser Park war früher eine Medici Villa, und seit 2013 gehören alle Medici Villen der Toskana der Kulturerbschaft von UNESCO. Im Fall Pratolino ist von der Villa nichts übrig geblieben, nur noch  der Park und einige interessante Gebäude und Kunstwerke.

Die Villa war ein Projekt von Francesco I dei Medici, er wollte ein Liebesnest, einen wunderschönen und prachtvollen Winkel  für seine offizielle Geliebte Bianca Cappello und für sich.
Die Villa war von einem wundervollen Park umgegeben sein, etwas so fabelhaft wie noch nie gesehen.

Buontalenti, der grossherzogliche Architekt, plante einen prachtvollen grünen Park, wo Wasser eine grundsätzliche Rolle durch Brunnen, Teiche, Wasserspiele spielte. 
Wasser galt als Symbol und Leitmotiv des Parks.
Im Park waren viele Kunstwerke: eine Kapelle, die Buontalenti selbst zeichnete, Statuen, Höhlen, Alleen.
Der Bildhauer Giambologna wurde beauftragt, einen riesigen Brunnen zu entwerfen, das Thema war eine überdimensionale Statue von einem alten Mann, der den Apennin darstellt. Der Riese, Appennino oder auch Gigante gennant,  ist noch da. Er dominiert einen Teich, wo im Frühling Seerosen blühen.



Wie gesagt, es steht keine Villa mehr. Nach dem Verfall der Familie Medici wurde Pratolino vernachlässigt, und die Lothringer, die neuen Herrscher von Florenz, liessen sie niederreissen. Die letzten Besitzer, die russische Familie Demidoff, die in Florenz viele Besitze hatten, kauften das Grundstück und errichteten eine kleinere Villa aus einem Gebäude, wo ursprünglich die Pagen wohnten (Paggeria oder Villa Demidoff).

Heute geht man nach Pratolino, weil es dort so schön, so grün, so prachtvoll ist. Der Eintritt ist frei, der Park macht auf nur am Wochenende und nur vom April bis Ende Oktober. Es ist ziemlich hoch hier und im Winter viel kälter als in der Stadt.


Man sollte Pratolino mit einem Führer besuchen, der uns erzählt wie es alles war; man kann noch die absolute Schönheit der Gegend geniessen, es ist aber nicht einfach, sich die Lage der verschiedenen Wunder vorzustellen.
Uralte Bäume sind da. Weite Wiesen.