Sonntag, 22. Februar 2015

Cenacolo di Andrea del Sarto, ein Museum, das mich immer erfreut

Heute morgen bin ich wieder zu einem kleinen, völlig unbekannten Museum meiner Stadt gefahren, ich hatte Lust, das Fresko von Andrea del Sarto noch einmal anzusehen.
Dieser Cenacolo oder Abendmahlsaal des damaligen Klosters von San Salvi liegt ausserhalb des Zentrums. In der Vergangenheit war es hier nur Land, die Vor-vororte der Stadt. Jetzt ist das Stadtviertel dicht bevölkt, doch angenehm meiner Meinung nach.

Das Kloster ist nicht mehr da, die Klosterkirche steht noch, San Salvi heisst sie. In Florenz kennen alle diesen Namen, nebenan sind die Gebäude der Irrenanstalt San Salvi, d.h.eine kleine Stadt in der Stadt, wo in der Vergangenheit viele unglückliche und oft mittellose Menschen ein ganzes Leben verbracht haben.
Wir haben in Italien keine Irrenalstalten mehr, wie viele wissen.
Das Museum ist so unauffällig und so überraschend. Die Räume sind teilweise die von dem Renaissance-Klosters, im Erdgeschoss mit Gemälden und Fresken,.
Die Atmosphäre ist ruhig und elegant, sehen Sie z. B. die ehemalige Küche des Klosters an, ein Riesenkamin ist noch da.


Der naheliegende Saal war der Waschraum der Mönche, hier hat man Hände gewaschen und das Besteck in kleine Nischen an der Wand gesteckt.
Der Raum ist hell und mir gefällt der grosse Waschbecken aus pietra serena ganz gut; und auch die Mischung aus Kunstwerken und Alltagsobjekten finde ich sehr originell.



Die Räume sind sozusagen eine Einleitung zu dem grossen, wunderbaren Speisesaal des Klosters, an dessen Wand das Fresko von Andrea del Sarto ist.
Das letzte Abendmahl wie bei Andrea del Castagno aber der Stil ist ganz anders. 1527 wurde es beendet.
Das Fresko wurde sofort berühmt und ich kann es mir gut vorstellen.
Ich mag die Komposition der Figuren, die Gesten, die Bekleidung von diesen  12 Männern und vor allem die Farben.
Die Kleider sind prunkhaft, aber alle 13 auch Jesus sind barfuss.
Herrlich. Also stellen Sie sich vor, Sie sind die einzigen Besucher hier und geniessen dieses Kunstwerk in Ruhe. Es ist wirklich so.



Heute hatte ich bei dem Cenacolo eine Uberraschung. Ein paar Bilder von einer Frau hängen da, die Malerin heisst Suor Plautilla Nelli, eine Nonne. Sie hat in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Florenz gelebt, ihr Kloster war in via Larga (heute Cavour) existiert aber nicht mehr.
Sie sei die erste florentinische MALERIN.
Ich habe mir vorgestellt, was es heissen könnte, für eine Nonne in der Zeit Malerin zu sein, und sogar eine berühmte. Wo sie überhaupt gelernt hat, welche Vorbilder sie haben konnte.
Hier ist eine Tafel von Plautilla.


Dieses Museum finden Sie in der Nähe vom Fussball-Stadion, via San Salvi 16. Der Eintritt ist frei. Geöffnet jeden Tag von 8.15 bis 13.50. Montags zu.

Montag, 2. Februar 2015

Karneval in Florenz?

Das ist ein Post über eine Abwesenheit, denn ein echter Karneval ist in Florenz nicht zu finden.
Sicher gab es in der Vergangenheit eine Tradition, in den Wochen vor Fastzeit hat man überall Carnesciale gefeiert, es ist aber jetzt nichts mehr übrig.

Zu Fasching ist Florenz keine Destination - betrachtet man nicht die Vorteile der Stadt im Winter, wie in diesem Post beschrieben.
ph. Valdarnopost.it
Tollen Karneval mit vielen Karren findet man in Viareggio (am Meer)  oder auch in Foiano della Chiana, einem Dorf nicht weit weg von Arezzo.
Ist Karneval für Sie eine Welt der geheimnisvollen Masken, wie in Venedig auch, dann sollten Sie in Castiglion Fibocchi (auch in der Nähe von Arezzo) Atmosphäre suchen.

Als ich ein Kind war, sind verkleidete Kinder am Lungarno spazierengegangen, ungefähr dort, wo der Konsulat der USA ist. Ich erinnere mich noch daran, es war für mich sehr erregend.

Vor einigen Jahre hat man dann versucht, Karnevalszüge  in der Innenstadt zu organisieren; es gab Masken und auch Vertreter der verschiedenen ausländischen Gemeinden in Florenz ansässig, d.h. Gruppen aus Brasilien und aus Peru, Chinesen und Finnen, die  ihre typische Bekleidung anhatten und auf den Strassen feierten.
Es war aber ein bisschen traurig und äbrigens hat es auch immer geregnet. Auf jeden Fall hat man jetzt nichts mehr. Was bleibt? Essen.

Zu dieser Zeit findet man in Bäckereien und Konditoreien die leckeren und typischen Kekse und Kuchen des Karnevals.
Typisch für Florenz ist die sog. schiacciata alla fiorentina. Ein flacher Kuchen, sehr weich mit einem leichten Orangengeschmack und dick mit Puderzucker bestaubt. Eine Lilie, das Symbol von Florenz, steht oft oben drauf.
Die schiacciata ist nur in diesen Wochen zu finden und ich mag sie sehr.


Typisch sind auch diese fritierten Kekse die cenci heissen. In Deutschland habe ich einmal etwas sehr ähnlich gegessen, den Namen weiss ich aber nicht mehr.
Cenci heisst Lappen; und tatsächlich sehen die aus wie unregelmässige Stoffbänder. Man findet sie auch in anderen Regionen aber immer unter anderen Namen.


Und die letzte Erwähnung gilt für die frittelle di riso d.h. Reis-Rumrosinenpuffer, die einfach super sind. Am besten schmecken mir die von Pasticceria Nencioni, via Pietrapiana, nicht weit weg von piazza dei Ciompi wo der Flohmarkt ist. Hier findet man auch frittelle di mele, fritierte Apfelscheiben..

UNBEDINGT zu probieren!!