Samstag, 30. April 2016

Der Götterweg - Via degli Dei. Eine Wanderung für den Frühling

Mein Urgrossvater wohnte nicht in Florenz und nicht in der Toskana. Er war Bauer und stammte aus Monghidoro, einem kleinen Dorf auf den Apenninen zwischen Toskana und Emilia Romagna. Als kleines Kind habe ich ihn kennengelernt, er war damals 90 und kam nicht mehr nach Florenz zu Fuss.
Früher aber als er ein noch junger und kräftiger Mann war, lief er diese Strecke von 70 Kilometern zu Fuss. Er brach früh am Morgen auf und kam abends in die Grossstadt Florenz an.

Viele Jahre später ist der Wanderweg Bologna-Firenze als Götterweg oder auf Italienisch Via degli Dei sehr berühmt geworden.
Mit einer Gruppe Freunden und Freundinnen bin ich leztes Wochenende auf den Weg gelaufen: aus Florenz haben wir mit dem Zug Bologna erreicht und nach vier Tagen Wanderung sind wir in San Piero a Sieve, in der Gegend Mugello angekommen.
Der ganze Weg erreicht zwar Florenz aber dazu braucht man wenigstens einen weiteren Tag: es lohnt sich sicher aber bei mir sah es so aus, zuerst hatten wir nicht so viele freie Tage und zweitens ist diese letzte Strecke uns Florentinern wirklich sehr bekannt.

Die Wanderung fängt praktisch direkt auf dem Domplatz von Bologna - piazza Maggiore - an.
Hier erkennt man schon viele Wanderer. Zu Fuss in der Innenstadt erreicht man die Logen von dem Korridor, der bis hoch auf die Kirche von San Luca führt.


San Luca ist eine barocke Kirche auf einer Höhe, die für die Bologneser als Wallfahrtsziel in der Vergangenheit galt.
Nach San Luca geht die wahre Wanderung los, in die Natur und ins Grüne. Zuerst durch einen Stadtpark und dann am Fluss Reno entlang.


Die Etappen des Weges sind verschiedene, man kann sie so gestalten, wie man will.
Wir hatten beschlossen, jeden Tag ca. 22 Kilometer zu laufen.
Die Landschaft ist rural, hohe Berge gibt's hier nicht. Man geht durch Dörfer und Felder und man geht an Trattorie vorbei, wo man gut essen kann. Zur Ubernachtung sind viele B&B oder Agriturismo am Rande des Weges.
Im Frühling ist die Landschaft idyllisch, v.a. weil alles grün ist.
Die Bäume blühen später als bei uns in der Stadt; aber die Berge im Hintergrund haben noch Schnee drauf.
An der regionalen Grenze zwischen Emilia Romagna und Toskana ist das Panorama besonders schön. Auf der linken Seite erkennt man Monghidoro, das Dorf meiner Urgrosseltern, das inzwischen zur kleinen Stadt geworden ist.


Hier ging während des 2. Weltkriegs die sog. Gotenstellung. Ich zitiere Wikipedia:
Gotenstellung war im Zweiten Weltkrieg in Italien der deutsche Name jener befestigten Linie (engl.Gothic Lineital.Linea Gotica), die die italienische Halbinsel auf der Höhe von Massa-Carrara und Pesaro abschnitt. Sie erstreckte sich über eine Länge von 320 Kilometern und erreichte eine Tiefe von bis zu 30 Kilometern. Nördlich dieser Linie standen deutsche Truppen, während vom Süden die britischen und US-amerikanischen Truppen mit ihren Verbündeten die Stellungen zu durchbrechen versuchten. 

Viele Kriegserinnerungen sind mit diesen Orten verbunden. Die Geschichte ist aber auch anwesend, weil man auf einer Strecke Via Flaminia Militare, also auf einer römischen Strasse wandert. Es ist schon sehr erregend, seine eigenen Füsse auf Steine zu legen, die die Römer in diesen Wäldern hingelegt haben!



Eine bedeutende Etappe ist der Futapass oder Passo della Futa, der Emilia Romagna und Toskana trennt. Dort ist die Lage besonders panoramisch, weil man das toskanische Tal von Mugello erblickt und auch den grossen Stausee lago di Bilancino.
Oben am Pass ist ein wichtiges Denkmal, das viele Deutsche kennen, es ist der Deutsche Soldatenfriedhof. Das Denkmal hat die Leichen von 30.800 Gefallenen des Krieges seit 1948 beherbergt. Es ist imposant.

Unsere Gruppe hat den Friedhof am 25. April erreicht: an diesem Tag feiern wir in Italien die Befreiung von Nazi-Faschismus. Es war so wirklich bedeutend,genau an diesem Tag an dieser Stelle zu sein, die als Mahnung zum Frieden errichtet worden ist.


Nach dem Futapass ist man in der Toskana und die Landschaft wirkt familiärer. Noch zwei Etappen führen bis nach Florenz. Zuerst geht man aber durch die grünen Täler von Mugello, die wirklich sehr beruhigend wirken.
Sant' Agata ist das kleine Dorf, das man zuerst erreicht. Eine wunderschöne romanische Kirche steht mitten auf dem Platz.
Olivenbäume sind überall zu finden, das Grün ist noch grüner.